Zivilgesellschaft und Flüchtlingsaufnahme in Krisenzeiten
- Gina Balsiger
- 12. Jan. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025

Diskussionsbeitrag
Können europäische Zivilgesellschaften die Unterbringung und gesellschaftliche Inklusion von Kriegsflüchtlingen besser, effizienter und viel kostengünstiger bewältigen als die Behörden – speziell in aussergewöhnlichen Situationen?
Vermutlich ja, sofern die Behörden die zivilen Akteure professionell unterstützen!
Ausgehend von praktischen Erfahrungen im Zusammenhang mit der ukrainischen Fluchtmigration ab Februar 2022 ist das Büro Exchange & Cooperation BEC der Meinung, dass die Behörden europäischer Staaten bei solchen Massenzuwanderungen hinsichtlich Unterbringung und gesellschaftlicher Integration zukünftig in erster Linie auf den flexiblen, humanitär gesinnten Teil der Zivilgesellschaft setzen sollten.
Das Team BEC stellte seine diesbezüglichen Analysen und Vorschläge mit Blick auf die Schweiz zum ersten Mal anlässlich der Zürcher Migrationskonferenz im September 2022 zur Diskussion: Das Potenzial von Gastfamilien für die (Erst-)Aufnahme und Integration von Geflüchteten.
Anlässlich der International Integration Conference of Estonia im November 2023 präsentierte das Team BEC einem internationalen Publikum einen pointierten Diskussionsbeitrag mit Titel: The societal integration of Ukrainian war refugees in Switzerland since March 2022: Structural problems, missed opportunities and possible improvements
Was sind unsere Thesen und Vorschläge für die aktuelle internationale Debatte?
Ein flexibler, humanitär gesinnter Teil der Zivilgesellschaft kann die Aufnahme von Flüchtlingen in Notfällen schneller und besser organisieren als die Behörden.
Die Behörden müssen zivilgesellschaftliche Akteure mit finanziellen und fachlichen Ressourcen individuell unterstützen.
Ein transkontinentaler Pool von qualifizierten Expert*innen sollte für Notfallsituationen bei der Flüchtlingsaufnahme eingerichtet und geschult werden. Die Behörden müssen den Zugang, den Aufenthalt, die Anstellung und die Koordination dieser Expert*innen im Voraus festlegen.
Der Staat kann viel Geld sparen, bzw. weniger Geld sinnvoller ausgeben. Die genannten Massnahmen kosten nur einen Bruchteil der ansonsten notwendigen Ausgaben für Unterkunftsinfrastruktur, Betreuung in Gemeinschaftseinrichtungen und andere damit verbundene staatliche Massnahmen.
Zur online Präsentation von Gina Balsiger in Tallinn vom 16.11.2023.
*Thomas Schmutz